Velo Elsener

Tradition in der dritten Generation

Die Velo-Elsener-Story von 1922 bis heute

velo-karrenVelo Elsener im Zürcher Seefeld blickt auf eine lange Familientradition zurück. Den Grundstein legte Joseph Elsener, Grossvater des heutigen Geschäftsführer Christian Elsener. Am 29. Juli 1922 eröffnete er im Kreis 8 an der Hallenstrasse 21 eine Werkstatt für Rahmenbau sowie Reparaturen an Velorahmen und Gabeln.

Aufträge erhielt er anfangs von verschiedenen Velohändlern. Bald nach der Eröffnung stellte Joseph Elsener einen Lehrling ein, um die immer zahlreicheren Aufträge erledigen zu können. Der junge Mann sollte eigentlich nur seine dreijährige Ausbildung bei ihm absolvieren, blieb der Firma jedoch über vierzig Jahre treu.

Weltmeister beliefert

velo-handlungElseners Firma bot Massarbeiten und Velo-Umbauten an. So änderte er etwa Herren- in Damenvelos um. Zudem profitierte der Firmengründer von der Nähe zur Rennbahn in Oerlikon, die damals die Hochburg der Bahn-Rennfahrer war. Bald lieferte er massgearbeitete Rennlenker in Kleinserien aus. Dabei zählte er die Schweizer- und Weltmeister Emile Richli, Willi Kaufmann und Heiri Suter zu seinen Kunden. Suter machte die Elsener-Lenker sogar in den USA bekannt, wo er sie an den Sixdays von New York und Chicago an seine Fans verkaufte.

Nach gut einem Jahrzehnt wurden die Geschäftsräume an der Hallenstrasse zu eng. Von seinem Nachbarn, dem Schreiner Ernst Göhner, erwarb Joseph Elsener die Liegenschaft an der Seefeldstrasse 24 – bis heute die Adresse von Velo Elsener (Bild rechts).

1934 bezog er die neue Werkstätte und baute seine Tätigkeiten aus. Mit dem Aufkommen von motorisierten Zweirädern begann Joseph Elsener, nun auch Rahmen und Gabeln von Motorrädern zu reparieren sowie Tanks und Auspuffrohre auszubeulen. Zudem richtete er eine Anlage ein, um Teile mit einem Tauchverfahren zu emaillieren.

Rohre aus England

Um das neue Angebot bekannt zu machen, schickte er 1500 Rundschreiben mit Preislisten an Velo- und Motorradhändler. Zu seiner Kundschaft zählten Importeure namhafter Marken wie BMW, Norton, Guzzi, Zündapp, NSU, Royal Enfield und viele andere. Spezialrohre  des Herstellers Reynolds importierte Joseph Elsener direkt aus England. Auch die grossen Versicherungsgesellschaften Zürich und Winterthur schätzten Elseners Arbeit und bevorzugten seine Firma, da er auf alle Arbeiten zwei Jahre Garantie gewährte.

Als an der Seefeldstrasse 26 bis 34 ein Neubau erstellt wurde, nutzte er die Gelegenheit und liess einen Zwischenbau erstellen. Dadurch konnte er die Ladenfläche um 80 Quadratmeter vergrössern. Das gab der Firma die Möglichkeit, das Sortiment zu erweitern und ein Zubehör- und Ersatzteillager einzurichten.

Die zweite Generation

Am 1. Januar 1958 übernahm Paul Elsener das Geschäft von seinem Vater. Er konnte den Umsatz weiter steigern – der Platz wurde erneut zu knapp. 1961 vergrösserte er das Geschäft abermals, indem er an der Seefeldstrasse 28 ein Verkaufslokal mietete. Das konnte Paul Elsener optimal mit den bestehenden Räumen verbinden.

In dieser Zeit verkaufte die Firma jährlich mehr als 1000 Fahrzeuge. Das inspirierte Paul Elsener zum Slogan «Velo Elsener – Das Haus der 1000 Räder». 1967 gründete er die Grossistenfirma FAMO AG, die den Vertrieb der Ersatzteile und des Zubehörs übernahm. Die Leitung des Velo- und Motorradgeschäfts übergab er einem Geschäftsführer. Im selben Jahr wurden auch die Räumlichkeiten erneut erweitert. Der Laden an der Ecke Seefeldstrasse 26 wurde dazugemietet, um die Verkaufsfläche zu vergrössern.

Söhne und Töchter im Betrieb

Zur Freude von Paul Elsener war die ganze Familie an seinem Geschäft interessiert. Nachdem die Kinder ausgezogen waren, arbeitete seine Frau Helen vollzeitlich als Geschäftsführerin. Bald war sie Herz und Seele des Unternehmens. Als nächstes trat Tochter Monica nach ihrer KV-Lehre 1978 als kaufmännische Angestellte und Verkäuferin in das Geschäft ein.

Als Frau war es manchmal ein hartes Stück Arbeit, sich bei den Kunden durchzusetzen, doch mit ausgezeichneten Motorradkenntnissen meisterte Moncia diese Herausforderung mit Bravour. Man bezeichnete sie auch als beste Hondaverkäufern der Schweiz. Seit 1985 zeichnet sie als Prokuristin. Neben ihrer Tätigkeit für die FAMO AG halfen auch Sohn Ruedi und Tochter Ursula im Verkauf mit.

Der Vierte im Bunde, Christian Elsener, trat 1978 eine Lehre als Fahr- und Motorradmechaniker an. Die ersten neuen Monate seiner Ausbildung verbrachte er noch im väterlichen Betrieb, wo er die Kenntnisse rund ums Velo erwarb. Dann folgten drei Monate in einem Fabrikationsbetrieb für Rahmenbau. Anschliessend lernte Christian Elsener bei der Firma Kleiner in Oerlikon alles, was man über Motorräder wissen musste.

Zurück zum Velogeschäft

Nach dem Abschluss der Lehre ging er auf Wanderjahre im In- und Ausland. Dazu gehörte auch ein längerer Sprachaufenthalt in Oxford. Zwischendurch half Christian auch gerne im väterlichen Betrieb mit, bis er sich nach Abschluss der Meisterprüfung entschloss, in die Fussstapfen seines Vaters zu treten und das Velogeschäft zu übernehmen.

Nachdem Elseners die Motorrad- und Mofaabteilung bereits Ende 1989 aufgelöst hatten, modernisierten sie den Betrieb nach den Vorstellungen des frischgebackenen Jungunternehmers. 1992 bauten sie das Geschäft um, vergrösserten die Ausstellungsfläche und die Werkstatt. So kam es exakt 35 Jahre, nachdem Paul Elsener das Geschäft von seinem Vater übernommen hatte, zum erneuten Führungswechsel innerhalb der Familie. Am 1. Januar 1993 übernahm Christian Elsener den Betrieb in der dritten Generation.

Heute ist Velo Elsener eines der grössten Fachgeschäfte für Velos, Kleider und Zubehör in Zürich. Nach einer Renovation 2009 wurden die Verkaufsräume modernisiert und bieten den optimalen Ort, um das umfassende Angebot zu präsentieren. Mittlerweile ist ein achtköpfiges Team im Verkauf und der Werkstatt tätig. Im Hintergrund arbeiten nach wie vor Christian Elseners Schwestern Monica und Ursula für den Betrieb. 2010 feierte Velo Elsener das 88-jährige Bestehen unter dem Motto: „4 x 22 Jahre jung“.