Der schmale Grat

Mit dem Enduro kann man fast jeden Trail dieser Welt befahren, doch grosse Tage erlebt man auch unweit von Zürich, etwa im Bündnerland. Und man lernt unverhofft eine straffe Federung schätzen.

 

Zuerst drei Highlights:

 

Besonders gerne sind wir vom Rothorn über den „Seeli-Trail“ nach Arosa gefahren. Meist flowig und mit einigen sehr technischen Stellen garniert bleibt die Spannung immer auf einem guten Level. Um die karge und sehr schöne Landschaft zu geniessen, legten wir kurze Pausen sein – und freuten uns kurz vor dem Totseeli über das neue Trailstück. Es dient nicht nur dazu, die Wanderer und Biker voneinander fernzuhalten, sondern bietet ein paar sehr technische Abschnitte. Trail-Smile garantiert.

Sobald wir eingefahren waren, machten wir uns ans Welschtobel mit Aufstieg über die Furcletta. Mit Start auf dem Rothorn ging es zwar erstmal runter auf etwa 2100 Meter über Meer. Kurz vor der Alp Sanaspans führt links ein Weg hoch – ohne Schatten und praktisch nie fahrbar. Nach etwa zwei Stunden schieben und schwitzen kamen wir auf dem Sattel beim Culmet auf 2614 Meter an. Das Gelände ist schön und sehr steil. Bei der kurzen Grat-Fahrt schlug das Herz etwas schneller als üblich.

Hier merkt man, wie krass die Rampage ist: Der Grat beim Culmet auf 2614 M.ü.M. ist ziemlich exponiert. Bild: Giorgia Müller/giorgiamueller.com

 

Hier spürt man, wie krass die Rampage sein muss: Fahrt auf dem Grat am Culmet, 2614 Meter über Meer. Bild: Giorgia Müller/giorgiamueller.comKurz darauf stiegen wir nach einem zweiten Sattel hinab, um dann zur Furcletta zu fahren/schieben. Anschliessend ging es von 2572 Metern ü. M. durchs Welschtobel bis nach Arosa – steinig, aber nur selten steil und mit einem sehr zügigen Schlussteil (s. Bilder oben). Nur der Aufstieg durch ein brutal heisses Arosa hinauf zur Hörnlibahn, das war weniger episch.

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Ein abwechslungsreicher Klassiker mit viel Trailkilometer ist die „Ticket to Ride schwarz“-Tour. Wir starteten von Churwalden aus, stiegen mit der Porsche-Bahn auf und wärmten uns auf dem kurzen Uphill und Trail hinunter in die Lenzerheide ein. Vom Piz Scalottas nahmen wir den „June-Trail“, der beim gleichnamigen Restaurant startet und steuerten über Sporz die Rothorn-Bahn an. Via „Seeli-Trail“ gings aufs Hörnli, wo wir einen sehr technischen Trail fuhren, den wir umgehend „Hörnli mit Ghackts“ tauften. Einmal mussten wir das Bike zu Fuss um eine Kurve stellen, für risiko-affine Könner gehts auch ohne Sohlen am Boden.

Ganz anders dann auf dem Weisshorn: Hier sind die Wege zuerst sehr breit und mit teils groben Steinen bestückt.

Die anschliessenden Trails sind immer wieder von flowfreien Verbindungsstücken unterbrochen, doch die Entschädigung dafür sind abwechslungsreiche Strecken, die auch mal zum Spielen im kargen Gelände einladen.

Beinahe surreal: Die Trails unterhalb des Weisshorns führen durch sehr unterschiedliche Landschaften.

Was meiner Meinung nach bei mehreren Tagen in den Alpen nicht fehlen darf: Ein Trail mit Sprüngen und Steilwandkurven. Nach einem enttäuschenden Never End in Laax, der auch mit einem Downhiller kaum richtig Spass macht, landeten wir auf dem Runca-Trail in Flims. Dieser zeigt, wohin es gehen sollte mit gebauten Trails, die keinen Anspruch auf Natürlichkeit erheben: Kaum Bremswellen, viel Speed und spielerische Elemente. Das macht Spass, ist eine super Abwechslung – und falls man zu weit springt auf einem Holz-Element ist man froh, wenn die Öhlins-Gabel genug Progression hat und den Übermut richtig dämpft.

Das Enduro S-Works funktioniert also nicht nur auf rauen, schnellen und technischen Trails, sondern auch beim Abstecher auf Park-ähnliche Strecken.

Simon Eppenberger, 8. Aug 2017